Danke, Whatsapp.

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Schon amüsant, wie das Leben manchmal so spielt. Letzte Woche habe ich bereits mit diesem Beitrag begonnen und folgende Zeilen geschrieben: „Kennt Ihr dieses flaue Gefühl im Bauch, wenn Dinge ungeklärt sind, ihr Sachen vor euch her schiebt? Monatelang hab ich dieses Gefühl mit mir rum getragen, nie wirklich abschalten können. Doch momentan bin ich so ausgeglichen, glücklich und zufrieden wie lange nicht mehr! Manchmal sind es kleine Veränderungen, eine neue Sichtweise, die dich rundum glücklich machen. Die letzten Wochen habe ich nicht nur einiges in meinem Leben geändert, auch mein Umfeld hat sich verändert.“  und heute?

Manchmal habe ich Angst davor, zu viele meiner Gedanken der Öffentlichkeit Preis zu geben, denn damit mache ich mich nackt, angreifbar und verletztlich. Doch wäre die Welt nicht unendlich einfach, würde jeder sagen, was er denkt, was er fühlt, was ihn verletzt? Ich liebe es, mir Dinge einfach von der Seele zu schreiben, wie ein Tagebuch, nur online, nur für jeden lesbar. Wenn ich lese, dass sich andere Menschen in meinen Gedanken wiederfinden, dann macht mich das wirklich glücklich. Wir haben alle unsere kleinen Pakete mit uns rumzutragen. Doch nicht jeder möchte darüber sprechen. Das ist auch ok so – doch manchmal sollte man auch aus seiner Comfort Zone ausbrechen.

Genau das habe ich die letzten Wochen versucht. Dinge auszusprechen, lernen nachzugeben, mich als erstes zu melden, Menschen an mich heranzulassen. Ich bin daran gescheitert. Doch ich würde diese Erfahrung nicht als Fehler bezeichnen. Nur wer offen ist, der lernt und kann sich auch weiter entwickeln. Manchmal gibt es einfach Menschen, die dich glücklich und unglücklich zugleich machen. Man kann nicht mit und nicht ohne. Manchmal hat man zu verschiedene Ansichten, Vorstellungen von der Zukunft, unterschiedliche Lebensstile. Natürlich kann man um solche Dinge kämpfen, denn wenn man etwas wirklich will, dann funktioniert es auch. Manchmal hat man einfach zu viel andere Sorgen im Kopf, muss Proiritäten setzen, sich für das Wichtigere entscheiden. Anstatt sich gegenseitig zu verletzen, sollte man füreinander da sein, Worte runterschlucken und verzeihen Doch manchmal scheitert es an der Kommunikation, an Missverständnissen, an Whatsapp? Zurückblickend sind schon so oft Worte übers Handy gefallen, die ich so nie ausgesprochen hätte, nicht gemeint hab. Wir sind uns oft gar nicht dessen bewusst, wie viel ein kleiner Satz kaputt machen kann! Leider lassen sich Nachrichten nicht rückgängig machen, nicht löschen und auch nicht vergessen. Mir hat diese Erfahrung gezeigt, Konflikte nicht mehr über Whatsapp zu klären, erstmal runter zu kommen und Sätze runterzuschlucken, die ich mit Sicherheit später bereuen werde.

Doch wie verbleibt man mit so einer Situation? Die Freundschaft bei Facebook, Instagram, Snapchat zu löschen fällt uns leicht, Erinnerungen zu vergessen nicht. Ist es einfacher, einen Menschen von jetzt auf gleich aus seinem Leben zu streichen, ohne ein letztes Gespräch, ohne ein goodbye? Leider habe ich die Antwort noch nicht gefunden. Doch eines ist es mit Sicherheit – leichter!

Am Ende des Tages frage ich mich, was sind meine Träume, was macht mich eigentlich glücklich? – Letztens saß ich mit meiner besten Freundin in einem Café in Mitte und hab über unser Leben nachgedacht. Nach knapp einem Jahr fühlen wir uns angekommen in Berlin. Willkommen im Alltag. Und kaum hat man einen Haken hinter einige Aufgaben gesetzt, kommen wieder ganz Neue auf dich zu. Willkommen im Chaos. Doch manchmal frage ich mich, wie es wohl wäre, jeden Tag in einer todeslangweiligen Stadt aufzuwachen? Meine Heimat habe ich nie vermisst. Das Ländliche, das Gerede, die Blicke. Ich hab das letzte Jahr hier in Berlin so unglaublich viel für das Leben dazu gelernt. Oft hab ich nachts wachgelegen, an mir gezweifelt, doch eigentlich bin ich stolz auf mich. Manchmal wäre ich am liebsten tagelang im Bett geblieben, doch ich hab die Arschbacken zusammengekniffen und weiter gemacht.  Und nein – ich bin noch lange nicht hier angekommen. Doch nach den vielen Tränen die letzte Zeit weiß ich, was mich glücklich macht: Ich hab wenige, aber ehrliche, wundervolle, mich liebende Menschen um mich. Ich habe Coco. Ich stehe auf eigenen Beinen – und ich hab nie aufgegeben! Müsste ich mich entscheiden, sorgenlos in einer intoleranten Stadt oder in einer so verrückten Stadt wie Berlin aufzuwachen? Oh Gott, ich würde es immer wieder tun!

Ein Kommentar hat mich letztens wirklich schockiert und getroffen: „Mir kommen die Tränen wenn ich deine letzten Beiträge so lese… Ich verfolge dich seit einiger Zeit bei insta und eigentlich steckst du in meiner „oberflächliches-püppchen-schublade“ aber mit diesen einblicken in deine Gedankenwelt ändert sich auch mein bild von dir… Du wirkst so unglaublich zerissen, rastlos und verletzlich und obwohl ich sonst so gar nix mit dir gemeinsam hab finde ich mich genau da in dir wieder. Ich wünsche dir vom ganzen Herzen, dass du dein wahres Glück findest und das Gefühl „angekommen zu sein“, einfach das du deinen Seelenfrieden findest…“ – Wow, starke, ehrliche und verletzende Worte. Nicht, weil sie mich in eine Schublade steckt, vielmehr weil sie mein Befinden die letzten Monate auf den Punkt gebracht hat! Heute lese ich meine Beiträge und würde sie am liebsten löschen. Einserseits, weil sie mir unangenehm sind und andererseits, weil sie mich tief treffen. Erinnerungen an unschöne Momente will man gern verdrängen. Doch inzwischen habe ich gelernt, nicht mehr in der Vergangenheit zu leben, einfach nach vorne zu blicken, mit einem Strahlen auf den Lippen. Schlechte Zeiten kommen und gehen, genau wie viele Menschen – doch genau heute bin ich glücklich!

An dieser Stelle ein Dankeschön, an eine meiner besten Freundinnen. Das letzte Jahr war für uns Beide nicht leicht, viele Nächte haben wir wach gelegen, telefoniert und uns immer wieder gemeinsam hochgezogen. Über Wohnungssuche, Arbeit, Familie, Liebeskummer – alle Sorgen haben wir geteilt. Dein Herz ist Gold für mich – und du bist für mich zur Familie geworden. Mir kommen die Tränen, wenn ich diese Sätze schreibe, denn selten findet man so einen Menschen in seinem Leben. Du bist einer, der immer bleibt. Danke! – B <3

6 Comment

  1. Sonia says: Antworten

    Ach Anne, ich folge dir auf Instagram, da waren es knapp 1000 Follower. Und ich sehe mich so oft in dir wieder…du bist ein Mensch mit dem ich nachts besoffen auf einem Dach sitzen will und übers Leben Philosophieren will…bleib wie du bist!!!!!

    1. cocoink says: Antworten

      Wie süß, fühl dich gedrückt unbekannterweise 🙂 !!

  2. clouie says: Antworten

    Folge dir auch schon lange auf Insta und durch diese tiefen, ehrlichen Einblicke in dein Leben machst du dich nur noch sympathischer und zeigst, dass hinter jeder Fassade, die eine mehr die andere weniger auffällig, doch auch nur ein Mensch mit einer bewegten, verletzlichen Seele steckt. Ich weiß genau was du meinst mit raus aus der „Kleinstadt“ und rein ins bunte Berlin, denn ich hab genau die gleiche Geschichte.
    Berlin ist wie für dich (und auch mich) gemacht und die perfekte Stadt um glücklich zu werden und diesen ganzen böse drein blickenden, frustrierten Menschen und ihren abwertenden Blicken den Rücken zu kehren… denn das sind die, die wirklich unglücklich mit ihrem eigenen Leben sind. stay just as you are 🙂

    1. cocoink says: Antworten

      Vielen Dank für die tollen Worte! Ich bereue es keine Sekunde 🙂

  3. Viktoria says: Antworten

    Hey ich verfolge dein Instagram schon sehr sehr lange und als ich mir einen neuen Account gemacht habe warst du eine der ersten der ich gleich wieder gefolgt habe. Ich liebe es deine Bilder anzusehen, denn sie zeigen mir immer und immer wieder das was ich erreichen möchte. Es gibt mir Mut eines Tages meinen Arsch in die Hand zu nehmen und in eine Großstadt zu ziehen. In meinem „Dorf“ fühle ich mich schon lange nicht mehr wohl und willkommen, niemand ist offen für etwas Neues und viele klammern sich an die alten Zeiten (doch die Zeit geht doch weiter). Durch dich schöpfe ich immer wieder neue Inspiration einfach mein Ding durchziehen! VIELEN LIEBEN DANK DAFÜR!

  4. Cindy says: Antworten

    Mir kommen gerade die Tränen, wenn man sich gerade in einem tiefen Loch befindet und am liebsten die Decke über den Kopf ziehen will – fängt man an an sich zu zweifeln, den Kopf in den Sand zu stecken weil man denkt “ alle sind glücklich, nur ich nicht “ doch imendefekt ist man nie alleine mit solchen Gedanken..
    Du hast 1 zu 1 genau das aufgeschrieben was in meinem Kopf tagtäglich abgeht..

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