Zeit zu vergeben

coco

Und zwar nicht nur all den Menschen, die dich verletzt, betrogen und belogen haben. Es ist Zeit dir selbst zu vergeben.

Bald ist Weihnachten, Zeit der Nächstenliebe, Zeit der Vergebung. Und Zeit, dieses Jahr noch einmal zu reflektieren, mit all seinen Höhen und Tiefen. Irgendwie habe ich heute einen sehr emotionalen Tag an dem ich einfach so unendlich dankbar für alles bin! Deswegen möchte ich ein paar sehr private Zeilen aus meinem Leben mit euch teilen. Aus Berlin und wie ich gelernt habe zu vergeben. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Beitrag veröffentlichen werde. Das Leben ist nicht immer perfekt und so auch nicht meins…
Doch zuerst: Ich hatte ein wundervolles Jahr!

Wie ihr aus meinen vorherigen Blogbeiträgen sicherlich wisst, bin ich vor 2,5 Jahren nach Berlin gezogen und meinen eigenen Weg gegangen. Oftmals habe ich davon erzählt wie schwer dieser Weg war, doch niemals davon, warum er so schwer war…

Ich hatte eine wundervolle Kindheit, voller Liebe, voller finanzieller Unterstützung und frei von Sorgen. Meine Eltern haben mich immer bei all meinen Vorhaben unterstützt, ganz egal, ob es der Gitarrenunterricht, der Reitkurs oder die Tennisstunden waren. Egal, ob es der erste Mietvertrag, mein eigenes Auto zum 18. Geburtstag oder die Finanzierung meines Studiums war. Doch manchmal kommt man in seinem Leben an einem Punkt an, da will man seine eigenen Entscheidungen treffen, selbst wenn die eigene Familie nicht voll und ganz dahinter steht. Leider hatte mein Papa damals etwas andere Zukunftspläne als ich. Ich bin trotzdem einfach von heute auf morgen nach Berlin gezogen. Ohne ein Wort zu sagen. Mit meinen ganz eigenen Plänen im Kopf. Viele davon waren naiv und falsch. Ich habe viele Fehler gemacht. Und so vergingen viele Monate in denen wir große Differenzen hatten. Aber auch viele Monate in denen ich zum ersten Mal in meinem Leben auf mich allein gestellt war. Wer seine eigenen Entscheidungen trifft, der muss auch die schwierigen Seiten bedenken. Mein erster eigener Mietvertrag, meine erste eigene Versicherung, mein erster eigener Reifenwechsel und das erste mal allein mit meinem eigenen Geld umgehen. Vielleicht hört sich das auf den ersten Blick klein und lächerlich an, doch an manchen Tagen habe ich die Arme über dem Kopf zusammen geschlagen. Mir war einfach alles zu viel! Doch es vergingen auch viele Monate in denen ich über mich selbst hinaus gewachsen bin und all „das“ allein geschafft habe. Ich habe es in Berlin geschafft. Diese zwei Jahre habe ich gebraucht um mit mir selbst im Reinen zu sein. Vor zwei Monaten haben wir uns ausgesprochen, über all unsere vielen Fehler die wir gemacht haben. Seit diesem Tag habe ich endlich innerlichen Frieden gefunden. Erst jetzt weiß ich, wie wichtig dieses Gespräch für mich war und wie stolz mein Papa auf mich ist!

Warum ich euch diese sehr sehr private Geschichte aus meinem Leben erzähle? Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan und nicht jeder Mensch wird eure Träume und Ziele teilen. Geht trotzdem euren eigenen Weg, denn das ist euer Leben! Vergebt den Menschen die euch die Welt bedeuten, die immer für euch da waren, denn dann könnt ihr auch euch selbst vergeben.

Doch bevor du anderen Menschen verzeihen kannst, musst du erstmal dir selbst vergeben. Auch ich musste das eine lange Zeit lernen. Und so möchte ich euch von meinen Selbstzweifeln erzählen, Zweifel die ich jahrelang mit mir herum getragen habe. Wenn ihr euch meine Bilder auf Instagram (@cocoink) anseht, wie ich nur in Unterwäsche feiern gehe, dann vermutet ihr sicherlich ein riesiges Selbstbewusstsein. Doch das war nicht immer so. All die Jahre fand ich meine Oberschenkel viel zu dick. Ganz egal, ob ich 60Kg, 50Kg oder nur 45kg wog (jetzt wiege ich 52 Kilo). Ich habe mich nie wohl und selbstsicher in meiner Figur gefühlt. Im Sommer nie kurze Hosen oder Röcke ohne eine Strumpfhose getragen. Mich nur in hohen Schuhen wohlgefühlt. Natürlich habe ich oft gehört, dass meine Zweifel unberechtigt sind. Doch wenn ihr so voller Selbstzweifel seid, dann haben auch schöne Worte keinen Wert. Irgendwann kam der Tag, da habe ich gelernt mich mit all meinen Makeln zu lieben. Ratet mal, wann ich das erste mal ohne eine Strumpfhose durch die Stadt gelaufen bin? In Berlin.

Ich habe in Berlin in jeder Hinsicht mein eigenes Glück gefunden. Selbstliebe, Freiheit, Toleranz, Vergebung, Selbstständigkeit, Freundschaft, Trauer, Liebe und Leidenschaft. Es wird Zeit dieses Jahr nun hinter mir zu lassen und einfach mal dankbar für alles das Gute in meinem Leben zu sein:

Ich bin dankbar, dass ich eine beste Freundin habe, die gemeinsam mit mir den Weg nach Berlin gegangen ist. Mit der ich so unvergessliche Momente in Berlin verbracht habe. Mit der ich nachts wachliegen und über die Unendlichkeit sprechen kann. Die mich an schweren Tagen in den Arm nimmt und mir verspricht, dass alles wieder gut wird. Die mir nach jedem noch so großen Streit die Hand reicht, mir den Rücken stärkt und mir all meine vielen Fehler verzeiht.

Ich bin dankbar für meinen unglaublich tollen Job. Endlich fühle ich mich angekommen und kann beruflich jeden Tag das machen, was ich liebe. Natürlich habe ich keinen normalen Job, bei mir endet der Arbeitstag nicht um 16 Uhr. Eigentlich endet mein Arbeitstag nie. Ich arbeite oft auch abends oder am Wochenende. Ich habe fast 2 Monate lang, 24 Stunden am Tag, mit meinem Chef in einem 80qm Apartment in New York verbracht. Das war eine wundervolle Zeit. Dafür habe ich beruflich viele Freiheiten die ich sehr schätze. Und vor allem bin ich dankbar, dass ich auf Arbeit eine ganz tolle Person kennen gelernt habe, die nicht nur meine Kollegin, sondern inzwischen auch eine meiner besten Freundinnen geworden ist.

Ich bin dankbar für meine wundervollen Eltern die mich mit so unglaublich viel Liebe, mit so viel Respekt, mit Ehrgeiz und mit Großzügigkeit erzogen haben. Sie haben mich zu der selbstbewussten, starken Frau gemacht die ich heute bin.

Ich bin dankbar für den treusten Wegbegleiter an meiner Seite, Coco, dem zwar das Licht zum Sehe, doch nicht das Licht im Herzen genommen wurde.

Und zu guter Letzt möchte ich mich auch einmal bei EUCH bedanken! Für die vielen positiven Worte jeden Tag und den Zuspruch! Manchmal sitze ich vor meinen eigenen Blogbeiträgen und schäme mich im Nachhinein, vielleicht doch zu viel aus meinem Privatleben preis zu geben. Vor allem dieser Beitrag hat mich viel Überwindung gekostet. Doch es macht mich so unendlich glücklich, wenn sich Menschen in meinen Texten wiederfinden können. Wenn ich euch zeigen kann, dass niemand mit seinen Sorgen und Problemen allein ist. Schön, dass es euch gibt!

Was ich euch heute also mit meinen sehr privaten Zeilen sagen möchte: Ich habe die letzten zwei Jahre benötigt um mich selbst erst einmal lieben zu lernen. Noch vor zwei Jahren hatte ich so viele Selbstzweifel, ich könnte damit ein ganzes Buch füllen. Doch inzwischen kann ich in den Spiegel schauen und mich selbst lieben. Mit all meinen Fehlern. Niemand ist perfekt, nicht du, nicht ich. Und gerade das macht dich so unglaublich perfekt! Niemand auf dieser Welt ist genau so wie du! Du bist einzigartig! Und gerade deshalb bist du wunderschön! Verzeih dir selbst für deine Fehler und verzeih deinen Mitmenschen. Falls du es heute noch nicht getan hast, sag deinen Freunden und deiner Familie, dass du sie liebst! Dieses Jahr hat nur noch 25 Tage, lass sie zu etwas Besonderem werden!

5 Comment

  1. Kristina says: Antworten

    Wow ❤️

  2. Jenny says: Antworten

    Mir fehlen die Worte!! Vielen Dank für diese wunderschönen und sehr emotionalen Zeilen! ❤

  3. Lotti says: Antworten

    Das schlimme an selbstzweifeln ist, dass sie meist die falschen Menschen haben… aber das macht dich menschlich… und bodenständig und für mich ist es auch ein zeichen für intelligenz, wenn jemand zur selbstreflexion fähig ist… die Situation mit deinem dad ist glaube ich ein Musterbeispiel fürs abnabeln/erwachsen werden… man muss seine eigenen Erfahrungen im leben sammeln und so sehr einen die Eltern auch davor bewahren wollen… dazu gehört oftmals nunmal auch, mal aufs schnäuzchen zu fallen… aber bei dir ist ja im großen und ganzen alles gut gelaufen und deine Familie kann zurecht stolz auf dich sein…
    Ich finds gut, dass du deinen weg so gegangen bist, denke das ist ein entscheidender Schritt zu deiner persönlichkeitsentwicklung gewesen und zeugt von Stärke und mut, wenn man seine Ziele verfolgt, auch wenn man dafür anfangs nicht nur Zuspruch erhält..

    Ach übrigens deine Oberschenkel sind perfekt also sag deinem kopf bitte das nächste mal ein ganz liebes „schnauze“ von mir wenn der wieder sowas denkt :p

    1. cocoink says: Antworten

      Oh habe vielen Dank. Ach wir haben doch alle unsere kleinen Problemzonen, das Leben wäre doch sonst auch viel einfach :p

  4. Bittel says: Antworten

    Ich könnte nicht stolzer sein, ich könnte niemanden mehr lieben….Mami

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